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Orientalische Handschriften der Stadtbibliothek jetzt erschlossen

Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz besitzt in ihrem Handschriftenbestand von knapp 1300 Bänden des 9.–20. Jahrhunderts auch sieben orientalische Codices, die bisher nicht erschlossen waren. Auf Nachfrage der Mainzer Bereichsleiterin Dr. Annelen Ottermann erklärte sich Professor Tilman Seidenstricker, Projektleiter für die Katalogisierung der Orientalischen Handschriften in Deutschland an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, bereit, die wenigen Mainzer Orientalia außerplanmäßig in die laufende Erschließungsarbeit der Jenaer Arbeitsstelle „Arabische Handschriften“ aufzunehmen. Die autoptische Aufnahme der Handschriften am Institut für Orientalistik, Indogermanistik, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena leistete der Islamwissenschaftler Florian Sobieroj. Ihre Erfassung erfolgte in der Datenbank KOHD digital, die seit Jahresbeginn online zugänglich ist.

Von den sieben Mainzer Codices findet man dort über die erweiterte Suchfunktion nach Eignern allerdings nur drei Signaturen, da die übrigen vier Bände durch den Bearbeiter für einen gedruckten Zimelienband mit besonders wichtigen Texten und schönen Handschriften vorgesehen sind und ihre Beschreibungen daher vorab nicht online gestellt werden dürfen.

Sechs der Codices gelangten zusammen mit einer hebräischen Handschrift 1686 als Beutegut nach Mainz: Freiherr Johann Karl von Thüngen (1643–1709) hatte sie aus der Bibliothek von Buda nach Befreiung der lange türkisch belagerten Stadt mitgebracht. Von Thüngen befehligte in Mainz als Festungskommandant die kaiserlichen Truppen nach Kapitulation der Franzosen und gelangte unter den Kurfürsten Franz Anselm von Ingelheim und Lothar Franz von Schönborn in exponierte, einflussreiche militärische Positionen. 1692 übergab er die Handschriften dem Mainzer Jesuitenkolleg, wie aus einem Vermerk in einigen der Bände und einem Eintrag im handschriftlichen Bandkatalog hervorgeht:

Praeda Bibliothecae Budensis quam ab expugnatione eius urbis anno 1686 Excellentissimis ac perillustris DD L.B. à Thüngen Inde tulit ac Anno 1692 Collegio Moguntino liberaliter donavit.

Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 übernahm die Bibliotheca Universitatis Moguntinae den gesamten jesuitischen Buchbesitz, und seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist die Stadtbibliothek als Rechtsnachfolgerin der 1803 aufgehobenen Universitätsbibliothek Eigentümerin dieses großen Bestands. Die Mainzer Orientalia sind zwischen 1554 und 1680 entstanden. Vier der Handschriften überliefern den Koran; die übrigen drei Codices decken ein thematisch breites Spektrum ab, das von der türkischen Übersetzung einer persischen Biographie Mohammeds über eine arabischsprachige Sammlung von Rechtsgutachten bis zu einem Sammelband mit türkischsprachigen Texten zur Medizin reicht. Einige Bände repräsentieren den Typus der orientalischen Prachthandschrift. In Material, Technik und Stil entsprechen sie den seit dem 16. Jahrhundert verbreiteten Gestaltungsgrundsätzen für persische und türkische Prachteinbände, die den Höhepunkt der orientalischen Einbandkunst markieren.

Die Abbildung zeigt den Textbeginn einer Koranhandschrift von 1578/79, geschrieben mit schwarzer und goldener Tinte in Naschī, einer der arabischen Kalligrafieschriften. Die Versenden sind durch große umtupfte Goldkreise markiert. Den Schriftraum begrenzt ein breiter Goldrahmen, an dessen Rand sich wiederholt goldfarbene Buchstaben und Worte für die Versabteilung finden. Einen besonderen Glanzpunkt der Handschrift stellt die durch Material- und Formenreichtum beeindruckende Gestaltung des Innendeckels dar, die Dublüre mit feinsten Lederfiligran-, Durchbruch- und Einlegearbeiten, Lederausschnitten und farbigen Papierunterlegungen.

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