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Besser Milch oder Pflanzendrink?

Nachhaltige Ernährung

Die Verwendung von Pflanzendrinks als Ersatz für (Kuh-)milch wird immer beliebter. Über 20 Prozent der Verbraucher in Deutschland konsumieren mittlerweile regelmäßig Pflanzendrinks. Milchersatzprodukte z.B. aus Hafer, Soja, Reis oder Mandeln sind vielseitig verwendbar und in jedem Supermarkt erhältlich. Ihre Nährstoffzusammensetzung entspricht nicht der von Kuhmilch und ist je nach Ausgangsprodukt sehr unterschiedlich. Ihr Vorteil liegt klar in ihrer nachhaltigeren Herstellung.

Was sind Pflanzendrinks?

Pflanzendrinks können in der alltäglichen Ernährung wie Kuhmilch verwendet werden, jedoch werden sie aus rein pflanzlichen Rohstoffen hergestellt. Die gängigsten Ausgangsprodukte für Pflanzendrinks sind Hafer, Soja, Mandeln und Reis. Es gibt mittlerweile auch Produkte aus verschiedenen Nüssen, Dinkel, Hirse, Erbsen, Buchweizen und Kokos. Zur Herstellung werden aus der Mischung von gemahlenem Getreide, Nüsse oder Hülsenfrüchten und Wasser zunächst die Feststoffe entfernt. Nach weiteren Produktionsschritten wie Homogenisierung, durch die der Pflanzendrink eine einheitliche Konsistenz bekommt, und Hitzebehandlung werden die Pflanzendrinks verpackt. Der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen in Pflanzendrinks ist aufgrund der unterschiedlichen Rohstoffbasis weder untereinander noch mit den Gehalten in Kuhmilch vergleichbar.

Was sind die Vorteile von Pflanzendrinks?

Der Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln verursacht in der Regel einen deutlich geringeren Ausstoß an Treibhausgasemissionen. Um die Auswirkungen verschiedener Treibhausgase vergleichen zu können, wurde die Maßeinheit CO2-Äquivalent geschaffen. Mit ihr wird die Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase im Vergleich zu derjenigen von Kohlendioxid ausgedrückt. Daher werden wir im Folgenden immer von CO2-Äquivalent schreiben.

Kuhmilch verursacht abhängig vom Fettgehalt und der Haltbarkeit Emissionen von 1,1 bis 1,7 kg CO2-Äquivalente pro kg Produkt und weist damit einen deutlich höheren CO2-Fußabdruck auf als Pflanzendrinks: Beispielsweise liegen haferbasierte Pflanzendrinks bei 0,3 kg CO2-Äquivalente pro kg Produkt, sojabasierte bei 0,4 kg und reisbasierte bei 0,6 kg.

Die Klimawirkung eines Liters Kuhmilch entspricht etwa 19 Kilometern Autofahren in Deutschland. Ein Teil der klimaschädlichen Emissionen entsteht dabei im Verdauungsapparat der Kuh (Stichwort Methan). Einen großen Anteil hat aber auch der Anbau der Futterpflanzen, denn nur ein geringer Teil der Milchkühe lebt auf Weiden und isst ausschließlich Gras. Der Futteranbau sorgt auch für die hohen Werte in den Kategorien Landnutzung und Wasserverbrauch.

Welche Pflanzendrinks gibt es?

Die Vielfalt des Pflanzendrink-Angebotes ist riesig. Je nach Pflanze hat jede Sorte ihren eigenen Geschmack. Außerdem gibt es auch Mischungen, die gleich mehrere Pflanzenarten als Ausgangsstoffe nutzen. Im Handel werden vor allem verschiedene Varianten von Hafer-, Mandel-, Soja- und Reisdrinks angeboten.

Haferdrinks gehören zu den Favoriten in Deutschland, sie sind mild im Geschmack, leicht süßlich und haben eine cremige Textur. Hafer wird regional angebaut, die Pflanzen sind genügsam und widerstandsfähig, verbrauchen demnach auch wenig Wasser und erfordern kaum Pestizid- und Dünger-Einsatz. Außerdem reichen bereits 100 g Hafer für einen Liter Hafermilch.

Mandelmilch ist die zweitbeliebteste Alternative in Deutschland, sie schmeckt nussig und leicht nach Marzipan. Rund 80 % der weltweit verarbeiteten Mandeln stammen jedoch aus Kalifornien. In Europa ist Spanien im Mandelanbau führend. In beiden Fällen werden die Mandelplantagen in der Regel künstlich bewässert – der Hauptkritikpunkt am Mandelanbau. Auch der Einsatz von Pestiziden ist ein Problem.

Sojadrink steht auf Platz drei der beliebtesten Pflanzendrinks, sie schmeckt neutral bis leicht nussig und hat eine seidige Konsistenz. Nur 2,1 % der globalen Sojaernte werden für Sojamilch verwendet. Die meisten Hersteller von Sojaprodukten für den deutschen Markt achten dabei auf einen möglichst nachhaltigen Anbau in EU-Ländern, wo zudem der Anbau von Gen-Soja nicht zugelassen ist. Viele produzieren in Bio-Qualität und damit nachhaltiger, ohne Gentechnik und mit weniger Pestiziden.

Reisdrinks haben einen sehr milden, leicht süßlichen Geschmack und eine eher dünnflüssige Konsistenz. Im Falle von Reisdrinks ist es besonders sinnvoll, auf die europäische Herkunft zu achten. Reis aus Europa wird in der Regel im Trockenanbau-Verfahren erzeugt und ist dadurch deutlich klimafreundlicher als asiatischer Reis. Ansonsten übersteigt der Wasserverbrauch bei Reis den der Kuhmilch deutlich. Das wird durch den geringeren Anteil bei CO2-Äquivalenten und Landverbrauch aber wieder ausgeglichen.

Die Vielfalt des Pflanzendrink-Angebotes ist riesig, der Geschmack variiert je nach Ausgangspflanzenart und Hersteller deutlich. Außerdem gibt es auch Mischungen, die gleich mehrere Pflanzenarten als Ausgangsstoffe nutzen. Nicht zu vergessen sind die Barista-Varianten für den perfekten Cappuccino-Schaum. Es lohnt sich verschiedene Produkte aus dem Sortiment durchzuprobieren und herauszufinden, welche den persönlichen Geschmack am besten trifft.

Problem: fehlende Nährstoffe

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zwei Portionen Kuhmilch- oder Kuhmilchprodukte, als wichtigen Lieferant für Calcium, Jod, Vitamin B12 und Vitamin B2. Pflanzendrinks enthalten ohne Anreicherungen in der Regel keine relevanten Mengen dieser Nährstoffe. Diese können den Pflanzendrinks zugesetzt werden. Für Bioprodukte gilt allerdings ein generelles Supplementationsverbot, welches in der EU-Bio-Verordnung 2018/848 geregelt ist. Daher dürfen Bioprodukte, die einen Großteil der im Handel angebotenen Pflanzendrinks ausmachen, nicht mit den oben genannten Nährstoffen versetzt werden. Menschen, die keine oder sehr wenige tierische Produkte zu sich nehmen, wird generell empfohlen diese Nährstoffe aus anderen Quellen zu sich zu nehmen. Ein Pluspunkt für Pflanzendrinks ist allerdings ihr geringer Gehalt an gesättigten Fettsäuren. Sie enthalten zudem kein Cholesterin und liefern Ballaststoffe, auch wenn die Gehalte meist nicht hoch sind.